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Eine kleine Geschichte für das Ficus Projekt auf Sumatra

Alifa und Kiki das Orang- Utan Mädchen im Jahr 2024

Wie schön ist es zu Schaukeln :  auf und ab, hin und her und dabei den Wind in den Haaren spüren und das Kribbeln im Bauch!  Ich bin Alifa, mein Vater ist Landarbeiter auf der Permakultur Fruchtplantage und hat mir eine Schaukel an den Kasturi-Orangenbaum gehängt. Er meinte, der Baum sei jetzt stark genug.  Als ich auf die Welt kam, war er noch ein kleines Bäumchen, eines der Ersten, die Tatjaana Soccio hier zusammen mit meinem Onkel angepflanzt hat. Wisst ihr übrigens, früher, als ich noch nicht auf der Welt war, gab es hier keine fein duftenden Bunga Telang, keine Kasturi-Orangen und auch kein Kurkuma. Nein, da wuchsen in Reih und Glied Kautschuk Bäume, eine unfreundliche, öde Monokultur.  Meine grosse Freundin Tatjaana, die von weither kommt,  hat dieses Land 2018 gekauft und eine wunderschöne Permakultur Fruchtplantage angebaut und gedeihen lassen. Nun haben wir feines Essen und können auch viel verkaufen und  verschenken.

Und dann, oh ja, Mama macht aus den Kasturi- Orangen ganz feine Marmelade und aus ihrem Öl Seifen. Mmh, die duften fein.  Und der Tee daraus sei sehr gesund, sagt  Grossmutter.  Sie weiss sehr viel und konnte Tatjaana auch gut betraten welche Pflanzen geeignet sind und was für Heilkräfte in ihnen schlummern.  Sogar  wie man zu den Pflanzen schaut weiss sie,  denn als Kind hatte sie das bei ihrem Grossvater gesehen und ihm harken und ernten geholfen. So wie ich jetzt meinem Vater helfe.

Übrigens, seht ihr meine schöne Schuluniform? Die gehört jetzt mir, vorher trug sie meine Schwester und vor ihr unsere Cousine. Mama hat sie ein bisschen ausgebessert, jetzt ist sie wieder wie neu.

Ich weiss noch nicht ob ich mich auf die Schule freuen soll - meine Schwestern sagen zwar, das sei ganz toll, man lerne so viel. Aber ob das für mich auch gilt? Ich spiele sehr gerne mit andren Kindern, das schon, doch genau so gern auch mit Tieren, und da bin ich glaub ich die Einzige weit und breit.

Ein  Orang -Utan Mädchen schaut durch die Hecke. Alifa: "Hallo Kiki, willst du auf die Schaukel? Komm nur und probiere es aus. Ich gehe während dessen  Papa fragen ob er dir einige Bananen geben kann, für deine Mutter die ein Baby erwartet."  Während Alifa in den hinteren Teil der Plantage geht, klettert Kiki auf die Schaukel.

Dass Kiki und Alifa miteinander befreundet sind und Kiki innerhalb der Fruchtplantage mittlerweile sogar vom Onkel  ein gern gesehener Gast ist, hat mit Alifas sanfter Entschlossenheit zu tun. Und bestimmt hilft auch die dornige Zitrusbaumhecke, dass nur noch ein so kleines Affenkind wie Kiki durchschlüpfen kann. Doch besonders Alifas Gabe mit Tieren zu sprechen und zu verstehen was sie brauchen, brachte eine grosse Beruhigung ins Zusammenleben mit den Orang- Utans. Bis vor ein, zwei Jahren, drangen  immer mal wieder plündernde Affen in die Plantage ein und bedienten sich von den reifen Früchten.  

" Schau Kiki, hier hast du eine Banane für dich.  Die für deine Mutter lege ich noch hier hin. " Kiki schnappt sich ihre Banane und hangelt sich über das Seil der Schaukel hinauf in den Baum. Nachdem sie sich ausgetauscht haben wie es Mama Orang -Utan geht und Alifa von ihrem 9 Wochen  alten Brüderchen erzählt hat,  setzt sich Alifa an den Fuss der Kasturi Orange und gemeinsam lauschen sie dem Zwitschern der Vögel, dem Summen der Insekten in der Bunga Telang mit ihrem blauen Blüten,  geniessen das Beisammen sein und lauschen dem Klang der Erde. 

Nach einer Weile meint Kiki: " Mit dir kann man so schön schweigen Alifa und ich fühle mich dann immer so wohl und geborgen. Und dann werde ich so froh. Ich mach mich jetzt gleich auf den Weg zurück. Ich will ein neues Kunststück an meiner Liane im Wald ausprobieren. Kommst du es dir morgen anschauen? " Alifa: " Ja gerne, hier nimm noch die Bananen für deine Mutter mit. Tschüss Kiki, bis bald!" Und dann sitzt sie noch eine Weile still beim Baum, streichelt mit ihren Händen die Luft und denkt: " Wenn ich gross bin, will ich den Menschen zeigen, wie sie die unsichtbaren Waldgeister ehren können, so wie es mich Grossmutter gelehrt hat. Und wie sie dem Wald und  seinen Bewohner  Ruhe schenken können. Denn  unser grosser, schöner Urwald braucht das.